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Deutschland ein überschätzter Markt? Was wäre wenn…

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Ich lade Euch heute zu einem Gedankenexperiment ein. Vor ein paar Tagen berichtete Insider Digital über einen möglichen Rückzug Huaweis aus dem deutschen Markt. Zunächst mag sich das nur auf den Consumermarkt beziehen. Doch was wäre wenn?

Deutschland ohne Huawei?

Die Schlagzeile “Huawei gibt deutschen Markt auf” klingt dramatisch. In meiner Vision sehe ich die deutsche Mobilfunklandschaft endgültig den Bach runter gehen – gefolgt von all den Unternehmen, die auf MPLS-Technologie der großen Provider angewiesen sind: Keine VPNs mehr, kein VoIP. Ist aber auch nicht schlimm, denn ohne Storage gibt es eh keine Daten zum Übertragen.

Schon 2003 setzten Anbieter wie QSC oder Telekom beim Aufbau ihrer MPLS-Netze auf Huawei in den Kernnetzen. Die Technik dürfte mittlerweile auch bei anderen Providern tief verwurzelt sein. Das erklärt auch das Gezeter um mögliche Verbote der fernöstlichen Technologie. Die ist nämlich nicht nur alternativlos günstig – sie ist vor allem modern. Was Patente zu 5G betrifft, hat Huawei die Nase vorn. Mit einem Marktanteil von über 30% ist der Netzausrüster auch weltweit bei den Mobilfunk-Providern Marktführer.

Auch in anderen Branchen wie den Medien sind Lösungen aus dem Reich der aufgehenden Sonne recht beliebt. Seit 2018 setzt das Produktions- und Dienstleistungsgesellschaft für Film- und Fernsehproduktionen Studio Hamburg – nach eigenen Angaben „Deutschlands größtes Dienstleistungsunternehmen rund um Film, Fernsehen und neue Medien” – auf die Chinesen. Auf deren OceanStore-Appliances tummeln sich mehrere Terabyte Material.

Nur eine Vision?

Ich glaube nicht. Gerade erst berichtet das Handelsblatt über auslaufende Wartungsverträge bei Vodafone. Es wird ernst. Zwar sind erstmal nur die Field Services betroffen, aber wenn man schon mal dabei ist?

Die Zeichen erkennt wohl auch Huawei-Gründer Ren Zhengfei und geht einen mutigen Schritt. „In Bezug auf die Marktstrategie müssen wir es wagen, einige Länder aufzugeben“, verkündet er gegenüber der South China Morning Post.

Bämm!

Das ist Revolution! Die ganze Welt schätzt den deutschen Markt über alles und verdrängt sich gegenseitig was das Zeug hält. Die ganze Welt? Nein! Was ist, wenn das Schule macht? Wenn es Huawei ohne Deutschland nicht schlecht geht und andere erkennen, dass sie ohne Deutschland vielleicht sogar besser dran sind? Wer ist er denn überhaupt, der deutsche Markt?

Laut Statista wurden 2020 mit IT in Deutschland 94,6 Mrd. Euro umgesetzt. Gemessen an den von IDC prognostizierten weltweit umgesetzten knapp 5 Billionen Euro (tatsächlich wohl nur 4,8 Trillion USD) scheint das nicht viel. Betrachtet man jedoch Europa allein, so ist Deutschland nach Großbritannien der zweitgrößte Markt des Kontinents – also doch schon eher aus der Kategorie Leckerbissen.

Wirklich? Well, it depends.

It’s complicated

Nur weil das Geld hier umgesetzt wird, heißt es nicht, dass auch die Entscheidungen in Deutschland oder gar Europa getroffen werden. Unternehmen und Märkte sind in ständiger Veränderung. Firmen fusionieren, werden ver- und gekauft. Neue Märkte entstehen, andere fallen weg. Das ist ein ganz normaler Prozess und jedes Unternehmen muß permanent seine Chancen und Risiken neu bewerten.

Die Ansage Huaweis ist auf jeden Fall ein Zeichen und könnte eine Wende für Westeuropa bedeuten. Der Markt hierzulande ist schon viel zu lange ein reiner Verdrängungsmarkt. Also nur eine Frage der Zeit, bis das erste Unternehmen den Mut aufbringt, sein Glück anderswo zu versuchen. Fortwährende Spionagevorwürfe sind sicher ein Katalysator. Doch mit denen sehen sich auch andere zunehmend konfrontiert und könnten zu ähnlichen Schlüssen kommen – oder gar den Spieß umdrehen?

Primär mögen sich die aktuellen Rückzugsgedanken aus dem Reich der Mitte auf die Vereinigten Staaten von Amerika und einzelne Consumermärkte beziehen. Doch hinter der Ankündigung steckt mehr. Politischer Eiertanz mit fortwährenden und drohenden Embargos zwingen die Chinesen, sich ihre eigene Welt zu bauen. Eine Welt ohne selbsternannte Wächter der Welt und ewiger Bedenkenträger.

Ein überschätzter Markt?

Was wäre, wenn in dieser Welt kein Platz mehr für Europa – und schon gar nicht für Deutschland – ist? Schon jetzt hinkt die alte der neuen Welt technologisch betrachtet gnadenlos hinterher. Europa und besonders Deutschland ist eine Nation geprägt von Bewahrern und Ver- sowie Behinderern. Der Anteil traditioneller Technologie am Gesamt-IT-Umsatz ist hoch. Zu hoch. Große Margen sind da schon lange nicht mehr drin. Eher das Gegenteil. Man zahlt drauf. Die große Marktbereinigung steht kurz bevor.

Denkt an meine Worte: Huawei ist nur der Anfang.

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